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Liebe Freundinnen und Freunde
Hiermit sende ich Euch meinen Yogjakarta-Reisebericht zu.
Ich habe ihn geschrieben und Ekkard Franke hat ihn ueberarbeitet. Meine Idee war Euch einen kleinen Einblick in die Welt zu geben wo wir leben, am anderen Ende der Welt, sozusagen.
Yogyakarta - Facts
Yogjakarta hat in Indonesien einen besonderen Status, da es die Provinz eines Sultans ist. Der Grund liegt im besonderen geschichtlichen Hintergrund, als einstige, wichtige Kolonialstadt der Hollaender und der wichtigen Rolle die diese Stadt waehrend der Schwierigkeiten bei der indonesischen Unabhaengigkeit spielte….- so lese ich im "Selfguide" Reisefuehrer.
Der Nama Yogyakarta stammt aus dem grossen Koenigreich "Ngayogyakarta Hadiningrat", aus dem Jahre 1755. Yogyakarta oder in Kurzform Yogya genannt,- wird wie folgt ausgesprochen: Tschogtschakarta oder in der Kurzform einfach Tschogtscha.
Yogya liegt inmitten von Java und hat einen immer noch aktiven Vulkan im Norden, der Merapi, was soviel heisst wie "immer Feuer", weil immer mal wieder Rauchschwaden aus seinem Schlunde dringen und die Einwohner in andauernde Spannung versetzen.
Im Jahre 2006 war das letzte starke Erdbeben, das in Jogja viel Verwuestung anrichtete. Dies ist heute immer noch an verschiedenen Stellen sichtbar, - an Rissen im Mauerwerk, an eingestuertzten Haeusern, ect..
Im Sueden der Sultanprovinz liegt der Indische Ozean.
Von der Stadt Yogja bis hinunter zum Meer, ist die Landschaft ueberraschend huegelig, dies konnte ich vom Flugzeug aus erkennen.
Yogja ist ein beliebtes Touristenziel der einheimischen Touristen und der Besucher Indonesiens. Von Bali aus, ist Jogja innerhalb einer Stunde mit dem Flugzeug erreichbar, mit den Schnellbussen, die um einiges billiger sind, braucht man 24 Stunden um Jogja zu erreichen.
Daten und Geschichtliches von Jogja
Die geschaetzte Einwohnerzahl im Jahr 2000 liegt um die 3.1 Milionen Einwohner, das wuerde bedeuten, das hier nach dem hiesigen Reisefuehrer ca. 15197 Bewohner pro qkm leben, was statistisch gesehen pro 1 qm 15 Leute ausmachen wuerde, was unglaublich viel ist. Vielleicht ist dies auch nur ein Druckfehler….?
Doch es sind schon unglaublich viele Menschen hier, geschichtet in den Haeuserblocks und auf den Strassen auf den Motorrollern,- von daher koennte es durchaus schon so sein.
Das kleine Sultanat Jogja hat nach meinem Stadtfuehrer, 50 % Landwirschaft, meist Reisanbau, 25 % wird als Wohnbereich-Nutzung bezeichnet und 17 % als Wald.
Die Temperatur ist im Jahr durchschnittlich ca. 22 bis 29 Grad Celcius. Etwas kuehler als in Bali. Die Luftfeuchtigkeit liegt um die 75 %. Jogja erhaelt suedwestliche Windstroemungen, dies macht die verhaeltnismaessige Kuehle in der Regenzeit aus.
Das Herz von Jogja bildet der sogenannte Kraton, der Palast des Sultans von 1750. Schaetzungen sagen, dass die Geschichte von Jogja im fruehen 8ten Jahrhundert angefangen haben soll, mit dem Hinduistischen Koenigreich "Sabjaya" und der Buddistischen Dynastie "Syaiendra" .
Hier gibt es Hunderte von archaeologischen Fundstaetten, meist buddistische und hinduistische Tempel. Diese Mischung ist das Besondere in Jogja. Seit vielen Jahrzehnten wird eine gegenseitige Akzeptanz zwischen Buddisten und Hinduisten gepflegt.
Wobei in der heutigen Zeit auch alles sehr durchmischt ist mit den vielen moslemischen Menschen, die hier leben. Jogja gilt heute als islamisch. Der amtierende Sultan ist ein Moslem.
Auffallend ist, das es hier keine Hunde gibt, so wie in Bali, wo es nur so von Strassenkoetern wimmelt. Dies fiel mir sofort auf. Hunde gelten bei den Moslems als unreine Tiere, sie sind jijik, uebersetzt heisst dies ekelig. Christen halten hier schon auch mal Hunde, als Wachhunde. Hier muss es wohl viele Diebe geben. Sogar im Zoo warnen Schilder vor Dieben….und das in einem islamischen Sultanat?
Dafuer werden hier viele Schafe gehalten. Was fuer ein eigentuemliches Bild fuer mich. Ich habe abgemagerte, kranke Tiere gesehen, die fuer den Verkauf feil geboten wurden, weil bei meinem Besuch auch ein moslemischer Feiertag miteingeschlossen war. Schafe werden zu moslemischen Festen geopfert, sagte mir Melati.
Hindus, Christen und Moslems haben auch alle ihre eigenen religioesen, Essensvorschriften. So gibt es hier Essstuben, in welchen nur Moslems verkehren, Ruma Makanan Muslem oder Java, heissen diese, ect.. So werden die Leute automatisch auch separiert, sie beiben unter sich, was ja nicht gerade die gegenseitige Akzeptanz foerdert. Akzepanz heisst hier soviel wie man laesst sich gegenseitig einfach in Ruhe, die einen da und die anderen dort….
Doch was ich beobachtet habe ist, das die Moslems schon ihre Domaene fuer sich beanspruchen, fuer mich manchmal auch sehr aufdringlich. Z.B. Wenn morgens um drei oder vier Uhr von den Moscheen ueber Lautsprecher Gebete gedroehnt werden. Ich wache jedes Mal auf, was ich, als freier und keiner solchen religioesen Gemeinschaft zugehoeriger Mensch, als stoerend und unangenehm empfinde.
Schon beim Anflug ist mir die kleine Bergkette mit dem Vulkan Merapi aufgefallen. Fuer die Jogjaner ist dieser Vulkan immer gegenwaertig. Ja, so nahe und immer noch aktiv ist schon etwas beunruhigend… Doch hier nimmt immer alles seinen gewohnten Lauf, die Menschen gehen ihrem Alltag nach. Gott oder besser Allah, wird dies mit dem Vulkan schon fuer sie regeln….
Damals, im Jahre 1006, gab es einen sehr heftigen Ausbruch des Vulkans Merapi, welcher viel Verwuestung mit sich brachte. Viele Tempel verschwanden unter der Vulkanasche. und blieben fuer mindestens 150 Jahre darunter verborgen, dazu gehoerten auch die hinduistischen Tempelanlagen von Prembanan und die buddistische von Borobudur. Dies ist fuer mich fast nicht vorstellbar. Eine Tempelanlage hatte z.B. ein Farmer gefunden, als er sein Feld umpfluegen wollte und dabei auf die Mauerwerke des ehemaligen Tempels gestossen ist.
Natuerlich ging auch Jogja durch viele geschichtliche und politische Erschuetterungen und Verwirrungen, wie es eben in solchen Sultanaten oder Koenigreichen ueblich ist.
1811 uebernahmen die Hollaender das Sagen und die Briten distanzierten sich von ihrem Machtanspruch.
Mit dem Prinz von Jogja wurden Uebereinkommen getroffen, dass sie doch noch als Scheinregenten ihre Stellung einbehalten konnten. Die Hollaender haben dies mit ihrer Politik immer sehr geschickt gemacht und die lokalen Herrscher als ihre Marionetten eingesetzt. Indonesien ist dafuer auch praedistoniert.
1825 bis 1830 gab es unter Prinz Diponegoro den ersten heftigen Widerstand gegen die Hollaender. Dieser komische Name ist mir erstmals bei der Hauptstrasse, die durch Denpasar fuehrt, aufgefallen, die Strasse heisst so. Und als ich nach ihr fragte bin ich mit meiner Zunge ueber den Namen gestolpert.
Doch bis zur indonesischen Unabhaengigkeit sollten noch mehr als 100 Jahre vergehen.
Nach dem indonesischen Unabhaengigkeitskrieg, wurde Jogja, unter dem ersten indonesischen Praesident Sukarno, die Hauptstadt von Indonesien, von 1946 bis 1949.
1948 versuchten die Hollaender ein letztes Mal Jogja fuer sich einzunehmen, dies scheiterte jedoch in der Verhandlung mit dem Sultan.
Heute ist Jogja eine eigenstaendige Regierungsprovinz mit eigenen Pseudowahlen, nach den Regeln, dass der Sultan halt automatisch der Sultan bleibt….
Buddisten und Hinduisten leben hier schon seit Generationen zusammen. Der indische Konflikt, der zwei Hauptreligionen, fand in Java keine Resonanz. So sind in der Gegend des grossen Buddisten Monumentes Borobudur, 42 km nordwestlich von Jogja, auch viele Hinduistische Tempel zu finden.
Die Basis, des hiesigen friedlichen Zusammenlebens dieser zwei Religionen, wurde sichergestellt, indem die zwei grossen, lokalen hinduistischen und buddistischen Dynastien, durch die Heirat einer hinduistischen Prinzessin mit einem buddistischen Prinzen im 9ten Jahrhundert, zusammengefuegt wurden.
REISEBERICHT ANFANGS DEZEMBER 2008
Ich bin unterwegs nach Yogjakarta, einer Grossstadt in Java, um meine dort lebende Tochter zu besuchen.
Jogja von Oben.
Jogja ist eine Universitaetsstadt, mit viel Jungvolk und einer bemerkenswerten Vergangenheit. Noch heute ist Jogja ein eigenstaendiges Sultanat im Staate von Indonesien.
Im Jahre 1966, waehrend des politischen Chaos in Indonesien, lebte der 1ste. Praesident, Sukarno, hier.
Jogja war kurze Zeit die Hauptstadt von Indonesien. Heute ist das ja Jakarta. Jogja ist heute eine Kultur- und Provinzstadt mit einem gewissen Charme.
Noch bin ich in Bali. Ich fahre mit dem Motorrad von AIONA, im Nordosten von Bali, zum Flughafen, der ganz im Sueden von Bali liegt, um mir das Ticket zu kaufen. Es ist ein langer Weg, der viel Konzentration verlangt. Mit. ca. 3. Std. Fahrtzeit muss ich schon rechnen. Hier weiss ich nie was noch dazwischen kommt.
Im Amlapura kaufe ich mir noch gutes Essen fuer Unterwegs, Take away, Bungkus, Eingepacktes, heisst das hier beim vegetarischen Restaurant, wo ich weiss das es mir schmeckt und bekoemmlich ist. Es ist meist sehr schwierig fuer mich ausserhalb von Aiona gutes Essen zu finden. Mit den Rumah Makan, den indonesischen Restaurants und Essensstuben, komme ich nicht klar. Zu viel Undefinierbares schwimmt in irgend welchen Saucen, Gemuese ist oftmals fuer mich zu scharf gewuerzt mit Chili und ueberall wird mit Geschmacksverstaerker MSG hantiert, den ich ueberhaupt nicht vertrage. Ich bewege mich ja auch oftmals abseits der Touristenstroeme, im gewoehnlichen, indonesischen Alltag. Der sieht oftmals ganz anders aus, als dass, was die Touristen hier zu sehen bekommen….
Ich komme eigentlich hier nur klar wenn ich selber kochen kann. Ansonsten verliere ich sehr schnell an Vitalitaet, mein Magen rumort und ich fuehle mich nicht wohl.
Da ich ausserdem noch vegetarisch Essen moechte, ist es nochmals schwieriger. Indonesier sind Fisch- und Fleischesser, immer viel weissen Reis, dazu ein bisschen Gemuese und dann Satespiesschen, Huhn, Bruehen mit irgendwelchen Fleischstueckchen, - wobei der Balinese wieder anders isst als der Javaner, auch die Religion spielt hierbei eine Rolle. Etwas zum Knabbern, wie die beliebten Krupuk Chips oder so, ist sehr beliebt. Instant Nudeln stehen ebenfalls hoch im Kurs.
In Jogja haben wir nur 3 Vegetarische Restaurants ausfindig machen koennen, was ich als sehr duerftig empfinde. Was gesunde, vitale Kost anbelangt, sind die Indonesier noch hinter dem "Mond", finde ich. Natuerlich gibt es auch hier vereinzelt bewusstere Menschen.
So habe ich also mein Bungkus gekauft und bin unterwegs mit meinem Motorrad nach Denpasar, der Haupstadt von Bali.
Ich wundere mich, weil alle Tankstellen kein Benzin mehr haben. Es steht ein Schild davor HABIS, leer, heisst dies. Gestern wurde der Benzinpreis um Rp. 500.- gesenkt, von Rp. 6000.- auf Rp. 5500.-, jetzt fuer diesen Monat, in schweizer Franken sind das um 60 Rappen der Liter. Fuer indonesische Verhaeltnisse ist das teuer. Das koennte der Grund sein! Erst wieder in Denpasar gibt es Tankstellen mit Benzin.
Manchmal frage ich mich schon, wo ich hier auf Bali eigentlich lebe, in einem Kasperletheater oder so aehnlich …
Ich verfahre mich. Ich fahre am Abzweiger zum Flughafen vorbei. Dies ist mir noch nie passiert. Wie aergerlich. Ich drehe um und brause auf der Schnellstrasse zurueck. Es hat sich so viel veraendert seit einem Jahr hier um den Flughafen, - viel gebaut, - irgendwie alles komplizierter.
Zur Einfahrt muss man jetzt einen grossen Schlenker machen. Fuer was, frage ich mich, wie bei vielem hier? Vieles scheint mir hier einfach so unlogisch und nur noch komplizierter, nun, ja. Ich muss den Regelungen, die hier gelten folgen.
Auch die Motorraederparkplaetze sind relativ weit weg vom Eincheck Terminal. Ich muss ja nur das Ticket kaufen. Ich parkiere direkt da, wo ich auch hin will. Mein Motorrad unter vielen Autos. Es ist mir egal. Ich bin muede und will die Sache schnell erledigt haben.
Beim Schalter muss ich erfahren, dass der Preis, den mir das Reisebuero genannt hatte nicht stimmt. Das Ticket ist einiges teuer. Auch muss ich erfahren, dass es in der heutigen Zeit das Beste ist on-line zu buchen. Immer mit Kreditkarte, das man die hat, wird automatisch vorausgesetzt. Ja, ja, sage ich, dass ich es versucht habe eine Stunde lang und einfach nicht durchgekommen bin. Dabei will mir die Werbung auch noch weismachen on-line buchen sei Zeitersparniss…. Nun ja…..es war nicht so. Ich mag mich auf keine Diskussion einlassen. Durch mein Nachfragen ist dann mein Ticket totzdem um einiges billiger. Manchmal habe ich das Gefuehl die jungen Frauen am Schalter sagen einfach einen Preis, um etwas zu sagen, haben aber eigentlich keine Ahnung von der Sache. Mein Ticket nach Jogja kostet Rp. 449 000.-, das sind um die Fr.45.-, das ist hier immerhin der Monatslohn einer Putzfrau. Der Flug geht morgens frueh um 6.20 Uhr. Das bedeutet morgens direkt Stress.
Ich fahre weiter nach Kuta. Etwas haesslicheres wie diese Gegend gibt es fuer mich nicht hier auf Bali. Es ist alles vereint hier, schreckliche Bauten, verfallen oder so grossklotzig, ueberheblich, selten etwas Schoenes. Dafuer Abfall und Schmutz ueberall und dann dieses Verkehrschaos mit der ganzen Luftverpestung. Ich fahre hier nur noch mit Schutzmaske, einfach zu viel Gift. Shops an Shops reihen sich aneinander, alle nur auf Profit aus. Ich finde dies hier einfach fuerchterlich. Dazwischen all die Touristen…
Nehme mir hier ein Zimmer, weil ich morgens um 5.30 am Flughafen sein muss. Von hier aus bin ich in gut 25 Min. dort. Jetzt in der Regenzeit, weiss man nie, ob nicht irgendwelche Schwierigkeiten auftauchen koennen, ueberflutete Strassen oder so, ..ich will auf sicher gehen. Das Zimmer ist eigentlich fuer das was es bietet zu teuer, ueberhaupt nicht liebevoll, weder Wc Papier noch Badetuch ist im Badezimmer da, die Bettuecher sehen ungewaschen aus. Ist mir aber egal jetzt.
Ich habe den ganzen Tag noch nichts gegessen, mein Bungkus liegt irgendwo auf der Schnellstrasse vor Denpasar, - zerquetscht auf der Strasse. Er ist mir vom Motorrad herrunter gefallen. Echt schade.
Also nach dem Duschen los zur Tofurei, essen, es tut so gut etwas richtig Gutes im Magen zu haben nach all den Strapazen des Tages. Also fahre ich wieder ins Verkehrschaos hinein, Maske auf. Ich weiss wohin ich will, das ist schon einmal gut.
Die Tofurei ist eine etwas bessere indonesische Essensstube, alles Gerichte aus Tofu, recht schmakhaft, doch sie pfuschen mir manchmal zuviel mit MSG hinein, dem Geschmacksverstaerker. Mir war schon einmal dannach so uebel, dass ich mich uebergeben musste. Doch diesmal haelt mein Magen das Essen aus, das ist wunderbar. Der Fruchtsaft enthaelt zuviel Zucker, obwohl ich es gesagt habe. Wurde wohl schon wieder vergessen in der Kueche, was hier normal ist.
So, und jetzt will ich einfach noch irgendwo hin, wo ich wirklich Freude haben kann. Ich moechte zum Bali Budda Health Store fahren in Krobokan. Bali Budda in Ubud ist immer wieder meine Rettung nach indonesisch-kulinarischen Tieffluegen. Ich war schon einmal vor laengerer Zeit bei BB in Krobokan vorbei gefahren, - hoffe BB wieder zu finden und mich nicht nochmals zu verfahren. Ich fahre los……, wo ist der Laden nur…., ich meine schon wieder irgendwo in den kleinen Gaesslein verloren gegangen zu sein…Tiefflug, doch dann, ploetzlich wie durch ein Wunder, stehe ich vor dem Laden. Schon beim Eintreten umfaengt mich eine gute Atmosphaere, die Ambiente gefaellt mir auch. Ich finde auf Anhieb einen schoenen Platz der mir gefaellt, bestelle einen guten Fruchtsaft und lass mich einfach mal fallen. Es war echt viel heute fuer mich, die ganze Fahrerei, das Herumirren, der ganze Verkehrsstress, - doch jetzt merke ich wie ich innerlich ruhiger werde und mich entspanne. Es tut mir gut. Danke. Bali Budda.
Zurueck in meinem Gaestezimmer, plagen mich die Mosquitos die ganze Nacht, ich schlafe so gut wie gar nichts, doch um 4.30 stehe ich auf und mache meine Yogauebungen wie jeden Morgen. So schnell erschuettert mich nichts mehr hier, weder Gestank, noch Laerm, noch ungewaschene Bettlacken.
Ich bin in Eile. Meine grosse Reisetasche will einfach nicht auf mein Motorrad. Sie faellt herunter, daher muss ich ein anderes Befestigungssystem ausprobieren. Ich bin in Eile, dann geht bei mir erfahrungsgemaess alles daneben. Endlich habe ich es geschaft, die Tasche ist festgemacht, sodass sie auch die schwersten Bodenloecher und Holperungen ueberstehen kann. Ich brause los und erreiche den Flughafen in einer guten Zeit.
Das Einchecken geht reibungslos. Ich muss ja beim nationalen Flughafen rein, da ist mir alles fremd, - es wurde alles irgendwie renoviert seit meinem letzten Besuch auf dieser Seite. Ich brauche etwas Zeit um mich zurecht zufinden. Immer wieder bin ich nervoes und habe Reisefieber. Erst wenn ich im Flugzeug sitze, meinen Platz gefunden habe und mir diesen niemand streitig macht, bin ich froh und fuehle mich erleichtert. Dann lehne ich mich zurueck. Wie immer wenn ich fliege, wuensche ich mir einen Fensterplatz zu haben und freue mich sehr diesen auch zu bekommen. Ich will ja schauen, - jetzt schaue ich auf die Startbahn heraus.
Ich fliege mit Lion Air. Sie ist billig, bietet keinen Boardservice und die Abflugzeiten sind unmoeglich. Mein Flug kostet um die halbe Million Rupien, ca. Euro 45.-, an Feiertagen doppelt soviel, immer dann wenn Melati Ferien hat…. Ein Bussticket kostet Rp. 125 000.-, Euro 11.-, - ist also um ein vielfaches billiger. Die Busfahrt dauert gute 24 Stunden und ist daher ziemlich anstrengend, meine ich. Da ziehe ich den 1-stuendigen Flug der Busfahrt vor,…. und bezahle dementsprechend mehr.
Im Flugzeug finde ich im vorderen Sitzfach eine Broschuere, wo der Gast gebeten wird fuer einen guten und sicheren Flug zu beten. Die Gebete sind vorgegeben fuer die Moslems, die katholischen Christen, die protestantischen Christen, die Buddisten und die Hinduisten. Ich bin beeindruckt und lese alle durch.
Interessant fuer mich, wie diese Gebete verschieden ausfallen. Mir faellt auf, dass das moslemische Gebet als Einziges fuer sich das Recht heraus nimmt, Allah als einzig richtigen Gott zubenennen. Die Katoliken noch Engel im Text haben, die Protestanten nicht, - die Texte der Hindus und Buddhisten sehr lang sind, doch die Uebersetzung nur 2 bis 3 Saetze beinhaltet, zu kurz. Das finde ich eigenartig. Ja, das zeigt mir doch wieder einmal wie unterschiedlich die Gebete ausgelegt werden. Es zeigt mir auch, dass wir hier in Indonesien in einem islamischen Land sind, dass fuer sich gewisse Sonderrechte heraus nimmt, jedoch trotzdem von Akzeptanz redet, - irgendwie widerspruechlich. Jetzt, mit dem neuen Anti-Porno Gesetz, das jederzeit unterschiedlich ausgelegt werden kann und daher ein Instrument der Willkuer darstellt, nochmals viel schwieriger wird, vorallem fuer das hinduistische Bali, das vorallem vom Tourismus lebt. Die westlichen Menschen sind modern eingestellt, die westlichen Frauen geniessen eine Freiheit, die in einem moslemischen Staat nicht vorstellbar ist. Seit neuestem steht hier auf jeder Weinflasche, dass es fuer Frauen und fuer Kinder verboten ist diesen zu trinken… dass soll sich mal jemand im Westen vorstellen, im heutigen Zeitalter....? Mit diesem Anti-Porno Gesetz hat Indonesien einen Schritt zurueck ins Mittelalter getan, - Irans Zeit unter Khomeini laesst gruessen.
Dienstag
Jetzt geht es los.
Wir starten, heben uns hinauf in die Luefte. Ich mag dies sehr gerne, dieses Hochfliegen, man kann noch alles so gut erkennen, wie schnell werden doch die Hauser klein. Wir fliegen an der Kueste von Bali entlag, an der Stadt Tabanan vorbei, der grosse Vulkan, der Sitz der balinesischen Goetter, Gunug Agung, ragt aus der Wolkendecke empor. Wie immer majestaetisch und imposant. Ich mag diesen Anblick sehr gerne. Schnell geht es weiter und schon sind wir ueber Java. Ich sehe viele Vulkane. Es ist schon immer wieder beeindruckend fuer mich live zu erleben, wie viele Vulkane Indonesien - welches zum Feuerring gehoert - hat, viele sind noch aktiv. Wir fliegen weit ueber den Wolken ueber den Vulkanen hinweg.
Als wir uns Jogjakarta naehern, faellt mir auf wieviel Huegellandschaften es hier gibt. Das finde ich ungewoehnlich fuer eine asiatische Landschaft, wo meist alles mit Reisfeldern bewirtschaftet wird, oder alles abgeholzt wurde fuer Monokulturen wie z.B Oelpalmplantagen. Es ist schoen fuer mich dies so sehen zu koennen, jetzt werden die Haeuseransammlungen schon dichter und dichter. Das Flugzeug verliert an Hoehe. Wir befinden uns nun im Anflug auf unser Ziel, - Jogja und werden gleich landen. Mich wundert es, dass der Anflug so tief ueber so viele Haueser hinweg geht, welch ein unglaublicher Laerm fuer diese Menschen… lange dauert der Anflug ueber diese Haeuser hinweg, das waere in der Schweiz ueberhaupt nicht denkbar.
Nicht vergleichen sage ich mir, das bringt mich nur in Depressionen. Hier ist enfach alles anders. Schaue jetzt hin. Die Landung ist sanft. Das Erste, was mir auffaellt, sind die Radfahrer mit ihren Saecken im Feld und ihren Sabits, den Sichelmessern, - schneiden wohl hier ihr Grass fuer ihre Sapis, ihre Kuehe, so direkt an der Landebahn? Eigenartig, dass die das duerfen…?
Es ist ein kleiner netter Flughafen, so aehnlich wie frueher der Flughafen von Bali, einfach uebersichtlich und huebsch.

Bin froh, mein Gepaeck ist auch gut angekommen. Am Taxistand ist alles einfach und in Ordnung. Ich bezahle und habe direkt das Taxi zur Verfuegung, das ist herrlich. Die Fahrt zu meiner Tochter ist kurz, - knappe 15 Min.
Das Naechste, was mir in Jogja auffaellt, ist, dass es unglaublich viele Motorradfahrer hat. Ich dachte schon in Bali seien es viel, doch hier hat es nochmals doppelt so viele, dafuer nicht so viele Autos wie in Bali.
Auch fahren hier die Motorraeder auf einer eigenen Spur neben der Autostrasse, dass ist in Bali nicht so, da faehrt sogar auf der Schnellstrasse alles zusammen, die stinkigen Lastwagen, neben modernsten Autos, die Motorraeder, dazwischen Fahrraeder, manchmal flattern Huehner dazwischen oder Haengebauchschweinchen wollen die Stasse ueberquern und dann die Strassenkoeter, die sind ganz schlimm, einfach gefaehrlich. Die fehlen jedoch gaenzlich hier im Strassenbild von Jogja, dass faellt mir sofort auf.
Eine asiatische Grossstadt wie ueberall, viele, viele Menschen, kleine Haueser neben grossen Geschaeftsblocks, grosse Reklameschilder, Bauruinen dazwischen, einfach alles gemischt. Laut ueberall.
Nach einigem Suchen findet der Taxifahrer den kleinen Gang, wo meine Tochter wohnt. Hier gibt es viel sogenannte Kost Haeuser. Diese sind entweder fuer Studentinnen oder fuer Studenten, immer schoen getrennt. Wohnblocks mit kleinen Zimmern, mit oder ohne eigenem Badezimmer, unmoebliert, wenn man Glueck hat, ist eine Gemeinschaftskueche vorhanden. Alles ist klein und eng. Das Zimmer meiner Tocher ist knapp 2 auf 3 m gross, das Badezimmer gerade 1 qm., eine Miniveranda. Sie hat ein Zimmer im 1.sten Stock gemietet. Sie hat es liebevoll und zweckmaessig eingerichtet. Sie meinte, dass es ungerecht sei, dass die Zimmer fuer die Frauen immer kleiner seien als fuer die Maenner, doch zum gleichen Preis. Sie bezahlt eine Miete fuer das Zimmer, dazu kommt die Elektrizitaet, - je nach dem, extra Komputer-, Kuehlschrank- und Steckdosengeld. Das finde ich speziell und lustig zugleich.
Da werde ich jetzt mit ihr die naechsten Tage leben und so alles mit bekommen was junge indonesische Studentinnen wichtig finden.
Das Erste, was mir auffaellt, ist, dass die wenigsten fuer sich selber kochen, doch es werden fleissig Kleider gewaschen und andauernd die Zimmer gefegt. Ich schaue dem zu. Out-fit scheint wichtig zu sein. Die Nachbarstudentin fegt ihre Veranda. Im Verandagelaender befindet sich ein Spalt, da wischt sie alles hinein und weg ist alles, runtergefallen auf die Veranda der unter ihr wohnenden Studentin. Ich traue meinen Augen nicht. Eigenartiges Verhalten, denke ich bei mir.
Es ist sehr laut fuer mich hier. Dass Frauen so schnattern koennen, in solch einer Lautstaerke, spricht nicht gerade fuer unsere Spezies, finde ich.
Doch es ist verhaeltnissmaessig sauber, meinen Augen als Hotelfachfrau entgeht so leicht nichts, - es sollte mal feucht aufgenommen werden, meine ich, wenigstens das Treppenhaus, die Keramikplatten sind schon schwarz.....
Der Fernsehkasten fehlt wohl nur bei meiner Tochter im Zimmer, kaum sind die Maedels zu Hause, wird dieser eingeschaltet, es plaerrt den ganzen Tag daraus. Bei einer Studentin ist es extrem und zwar genau bei der, die unter meiner Tochter wohnt. Es ist so laut, dass ich mehrmals runter gehe und ihr das hoeflich sage, sie ist freundlich und stellt auch fuer einen Moment etwas leiser. Doch scheint sie dies schnell wieder vergessen zu haben,….. und schon ist wieder volle Pulle… ich rege mich wieder auf, versuche mich nicht aufzuregen, … und sage es nochmals. Irgendwo muss ja die Lautstaerke so sein, dass man noch miteinander reden kann, in einem normalen Tonfall. Vielleicht merkt sie es noch von alleine bis ich abreise…
Das Wiedersehen mit meiner Tochter war sehr erfreulich, wir hatten uns vieles zu sagen, wie das ja Muetter und Toechter ueblicherweise so miteinander haben. Wir haben diesen Austausch wohl beide genossen.
Mittwoch
Dass Zweite was wohl Muetter ueberall tun, ist schauen, dass es dem leiblichen Wohle iher Kinder gut geht.
Wir kaufen einen Kuehlschrank, der wird mit guten Sachen gefuellt, vorallem muessen sie vitalreich sein, das Auswaertsessen ist nicht gerade das, was ich unter gesunder Kost verstehe, - das ist wirklich auch hier schwierig zu finden, ein gutes Vegetarisches Restaurant. Da wo meine Tochter isst, ist es huebsch gemacht, doch nach meinem Geschmack zu wenig vitalstoffreich. Nun ja, ihr schmeckts, das ist auch wichtig. Am naechsten Tag gehen wir auf dem Markt einkaufen, viel Gemuese. Ich koche fuer uns, mhh, es schmeckt, wir beide schlagen uns den Magen voll mit vielen guten Vitaminen, mit Gemuese und Fruechten.
Das Dritte was Muetter sicherstellen, ist, ob alles soweit in Ordnung ist. Wir fahren zu Multimedia, gehen da in die Buecherabteilung. Meine Tochter kauft sich ein dickes, teures Oxford-Dictionary, welches sie schon lange fuer die Uni haben wollte. Auch finden wir ein wirklich gutes Indonesisch-Deutsches Woerterbuch, auf welches ich schon jahrelang gewartet habe, - jetzt ist es gedruckt, wie wunderbar. Wir kaufen einen guten Stadtplan und einen guten Reisefuehrer ueber die Stadt Jogja. Uns geht es dabei so gut.
Unglaublich, dass es hier so einen Buchladen gibt. Grandmedia heisst er. Vor 20 Jahren wurden hier in Indonesien die Buecher noch zensiert, - vom Praesidenten-Clan Suharto her. Viele gute Buecher wurden auf die schwarze Liste gesetzt. Wer mit diesen Buechern erwischt wurde, musste mit Gefaengnisstrafen rechnen. Die Indonesier haben wohl dadurch verlernt zu lesen. Viele lesen nicht, oder koennen nicht lesen. Wer informiert war und vieles wusste, lebte unter dem Diktator gefaehrlich, da war es viel besser, einfach nicht zu lesen und unwissend zu bleiben….
Heute sehe ich viel junge Leute in den Buchlaeden, das freut mich. In den letzten 10 Jahren hat der Buechermarkt von Indonesien einen enormen Aufschwung erlebt. Buecher, die auf der schwarzen Liste standen, geniessen heute ein Comeback, dass ich sehr begruesse. Allen voran die Buecher von Prem Toer, seine Triologie ist fuer mich ein literarisches Meisterwerk und sehr zu empfehlen, "Im Garten der Menschheit", heisst das erste Buch. Ich hatte mehrere Jahre gewartet auf die deutsche Uebersetzung und viel Freude gehabt als endlich der 3.te Band fertiggestellt war in Deutsch. Es war mir eine grosse Freude dieses Buch zu lesen.
Auch finden seit neustem viel junge einheimische Schreiberinnen und Schreiber Gehoer. Das Ubuder "Writers and Readers Festival" finde ich sehr bennenswert, das jedes Jahr in Bali stattfindet und viel Anklang findet. Auch viel indonesische Frauen schreiben und finden endlich Resonanz. Dies finde ich sehr wichtig. Im groessten moslemischen Staat wie Indonesien, wo die Frauen immer noch beschnitten werden, wollen die meisten von diesem Tabu Thema nichts wissen.
Wir stoebern im Buchladen herum und haben unsere Freude dabei.
Dann geht's weiter und wir fahren hinein in das Herz von Jogjakarta, - zur Touristeninformation. Dort bekommen wir sehr gute Informationen. Einige ueberaschen mich, weil sie so anders sind wie in meinem Reisefuehrer. "Jogja sei nur eine kleine Stadt ", wurde uns gesagt.
Die Straende seien gut zu erreichen, in einer halben Stunde, doch wegen den starken Stroemungen und dem starken Wellengang ist der Ozean hier nur zu besichtigen, - zum Baden verboten.
Eine Dalangvorfuehrung - eine Schattenspielvorfuehrung -, eine wirklich orginal Gute, dauert von abends 19 Uhr bis morgensfrueh um 5 Uhr. Es gibt wenige Darsteller, die das heute noch beherrschen. Gute Spieler nehmen eine historische oder religoese Handlung und fuellen diese mit aktuellen Themen aus Politik und Wirtschaft auf. Frueher, vor dem Fernsehzeitalter, waren diese sehr beliebt. Einem guten Dalang Spieler wurde immer auch sehr viel Ehrfurcht entgegengebracht. Er lebte gefaehrlich, doch mit einem gewissen Ruhme. Viele wurden umgebracht, verschwanden in der Geschichte.
Diese guten, langen Vorfuehrungen werden nur noch alle zwei Wochen aufgefuehrt. Doch es gaebe eine, die dauert nur 2 Stunden, halt fuer die Touristen. Doch diese sei nicht wirklich gut, lassen wir uns sagen. Beim naechsten Besuch vielleicht.
Auch erfahre ich, das einige gute Empfehlungen, meines alten Reisefuehrers, nicht mehr aktuell sind. Schade, das Erdbeben 2006 hat wohl auch einigen Kunstinstituten den Garaus gemacht. … kein Geld mehr um aufzubauen. Schade. Ich wollt zu einem guten Batikinsitut gehen. Jogja ist fuer seine Batikkunst beruehmt.
Wir bekommen gute Strassenkarten, womit wir uns gut orientieren koennen. Auf jeden Fall fuehlte ich mich gut und kompetent beraten.
Wieder durch das ganze Verkehrschaos. Meine Tochter faehrt vorbildlich. Ich haette hier echt Muehe klarzukommen. Die Fahrbahn zu wechseln, ist immer mit riskanten Manoevern verbunden. Auch scheint mir, dass die grossen Hauptstrassen umgangen werden. Alles faehrt auf den kleinen Nebenstraesschen bei den Wohnhaeusern vorbei. So ungewoehnlich, doch scheint mir dieses hier normal, alles faehrt auf den engen Nebengaesschen umher, tausende von Motorraedern, - mich wundert es schon wie geschickt die Faherinnen und Fahrer herumzirkeln, unglaublich und es echt zu einer modernen Kunstform im Verkehr gebracht haben. Sehr bemerkenswert. Ich sitze auf dem Beifahrersitz, habe meine Maske an und beobachte das Treiben auf den Strassen, - wird es mir zu bunt, schliesse ich einfach die Augen, mit einem schnellen Stossgebet zum Himmel.
Dies alles waren meine ersten Eindruecke von Jogja.
Donnerstag
Es hat hier so viele Bauruinen und sonstige Hauserruinen - verursacht durch das letzte Erdbeben - und nicht fertig gestellte Bauten, weil falsch kalkuliert wurde und das Geld ausgegangen ist. Es fehlt wohl einfach an Geld oder auch an Interesse. Fuer das Gesamt-Stadtbild sind diese Dinge nicht gerade erbauend anzuschauen.
Wir fahren am Swiss House vorbei. Da will ich drehen und mir das anschauen. Was gibt es da wohl zu kaufen? Swiss Roessti, Uhren und feine Schokolade.? Weit gefehlt. Es ist eine Baeckerei mit Patisseriewaren. Schoen aufgemacht, sieht alles ziemlich suess und teigig aus, so wie es die Indonesier lieben: suess, farbig und teigig. Wir kaufen uns ein Vollkornschlabber Brot und einige Pralinen und lassen uns dies alles spaeter im Zoo schmecken.
Heute geht man spazieren in den grossen Einkaufsstrassen, den Malls, - da geht es zu wie auf dem Jahrmarkt, Glanz und Glitter, sowie die hohlen Versprechen von Luxus und Wohlstand, - alles vorgetragen mit sehr lauter Musik. Das lieben die Indonesier. Man hat sich das beste Out-fit angezogen und sich aufgestylt, dann geht man in die Mall. Es hat hier einige Giganten, dieser internationalen Geschaeftsketten. In den Zoo geht man daher heute nicht mehr, - der ist einfach out und verkommt daher. Das finde ich so schade.
So ist auch der Zoo hier etwas vereinsamt.
ZOO BESUCH
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Achtung Diebe
Der Zoo hat bemerkenswerte, wertvolle Tiere. Damit meine ich einige Tiere, die vor dem Aussterben geschuetzt sind.
Die Zoo Souvenirlaeden sind so gut wie unbesetzt, lange Einkaufstrassen mit leeren Staenden. Dies macht einen verlassenen Eindruck. Bevor man in den Zoo kommt, geht man durch eine parkaehnliche Anlage, die von einem Fluss mit viel Wasser versorgt wird. Wasser plaetschert auch in vielen Varianten.
Das gibt der Anlage einen gewissen Charme. Doch ich darf nicht genauer hinschauen, weil ich dann den ganzen Schmutz sehe, der in dem toten Gewaesser herumschwimmt. Hier in Indonesien sind alle Gewaesser mehr oder weniger Abfallentsorgungsanlagen Dies ist schrecklich fuer die Fluesse und das Meer, denn alles wird letztlich ins Meer gespuelt. Hoffe das wird mit der Zukunft besser. So ist auch der Fluss im Zoo ziehmlich verschmutzt und die Tiere bekommen dieses Wasser. Nun, ja.
Melati meinte, aus den Reihen der Studenten seien immer wieder Saeuberungs Aktionen durchgefuehrt worden. Doch dies sei im Moment ziemlich eingeschlafen, aufgrund fehlender Motivation, da kein Fortschritt zu erkennen war, - die Menschen weiter ihren Abfall in der Natur entsorgen. Ich denke das Abfallproblem das Indonenesien nun einmal offensichtlich hat, ist nur mit einer Zusammenarbeit der Regierung und der Bevoelkerung moeglich. Es ist das selbe, das wir auch bei uns in Bunutan/Bali haben, mit unserer "Keep clean" Organisation, es ist Sisifus Arbeit, und braucht viel Geduld und "ein immer wieder weitermachen und nicht aufgeben".
SUMATRA ELEFANTEN, SUMATRA NASHORN und SUMATRA TIGER sind vom Aussterben bedroht, auch ihr Lebensraum schrumpft bestaendig weiter und ist Ausgangspunkt zahlreicher toedlicher Konflikte zwischen Mensch und Tier, - zur Zeit besonders in der Provinz Aceh im Norden Sumatras.
ORANG UTANS vom Aussterben bedrohte Tiere, ihr Lebensraum wird bis heute kontinuierlich vernichtet .

Indonesien beherbergt ja einige sehr seltene Tiere in seinen Regenwaeldern, die vom Aussterben bedroht sind. Allen voran der Orangutan, uebersetzt heisst dies - der Waldmensch. Im Zoo ist eine Orang-Familie zusehen, eine Mama mit ihrem Baby, das sie liebevoll umpflegt. Hier im Zoo kommen alle Tiere sofort zu den Zuschauern, in der Hoffnung auf einen Leckerbissen. So auch hier, die Mama kommt, ihr Baby auf dem Ruecken und auch das zottige Maennchen kommt daher, mit seinen Fleischwuelsten im Gesicht, welche bezeichnend sind fuer die erwachsenen Maennchen dieser Gattung. Die Kommunikation, die jetzt zwischen uns und den Menschenaffen entsteht, ist sehr amuesant und interessant.
Die Gehege der Tiere sind sehr duerftig. Schade, es fehlt an Geld und fachmaennischer Pflege. Doch wie soll diese finanziert werden, wenn die Menschen in die Geschaeftsmalls wandern, anstatt durch Besuche der Zoos etwas fuer die eigene Erziehung zu tun und somit in die Natur des eigenen Landes zu investieren, was langfristig allen zu gute kommt. Es hat zwar auch einige indonesische Familien, die hier mit ihren Kindern spazieren gehen, doch diese allein, koennen einen solchen Tiergarten nicht aufrecht erhalten.
Wir geniessen es, nach so viel Grossstadt mit lautem, stoerendem Verkehr und Betonbauten, einfach wieder einmal unter Baeumen zu wandeln, Wasser plaetschern zu hoeren, und Tiere nahe um sich zu haben. Das tut so gut.
Ich wundere mich, wie Menschen ohne Natur leben koennen, das ist doch letztlich so gegen die eigene Natur. Viele von uns muessen schon ziemlich degeneriert sein. Ich kann mir nur vorstellen, dass man in so einer Grossstadt krank wird. Es fehlen hier die Naherholungsgebiete, z. B. einen schoenen Park mit vielen Baeumen und Sitzgelegenheiten. Doch dies fehlt auch in Denpasar in Bali. Dort macht man Exklaven fuer die Touristen, in den Hotels, doch fuer den Normal-Indonesier sieht es ganz anders aus.
Auf engstem Raum leben zu muessen, immer einem zu hohen Laermpegel ausgesetzt zu sein, von Abgasen tagtaeglich umweht zu werden und sich nicht nach gesunden Massstaeben ernaheren zu koennen, macht irgendwann jeden Menschen schwach und beraubt ihn seiner natuerlichen Vitalitaet. Die Essgewohnheiten sprechen fuer sich: ein durchschnittlicher Indonesier isst viel zuviel Zucker, konsumiert Junk-food wie Instant Nudeln, weissen Reis, Kaffee und nur schwarzen Tee, wenig Gemuese, sehr wenig Fruechte und obendrein zuviel minderwertige Fette. Daher haben sie wohl auch so einen Schiss vor einem zu hohen Cholesterinspiegel.
Gesunde Produkte sind immer so angelegt, dass die Frau eine schlanke wohlgeformte Figur erhaelt und der Mann gute Potenz bekommt. Das ist immer so komisch bei diesen Produkten. Es geht weniger um Vitalitaet und Gesundheit fuer ein langes, krafterfuelltes Leben, welches letztlich der gesamten Volkswirtschaft zu gute kaeme.
Die Nummer Eins, wovor die Indonesier Angst haben, ist ein zu hoher Cholesterin Spiegel und vor Krebs, Krebs ist sehr weit verbreitet, oder einfach so diagnostiziert vom Arzt, weil er nichts anderes mehr weiss, Allergien sind weit verbreitet und Gatal, Ekzeme. Mich wundert dies ueberhaupt nicht, denn allein die hiesigen Waschmittel sind hier aeusserst aggressiv. Es wird hier meist noch von Hand und oftmals im Fluss gewaschen. - nichts mit der Waschmaschine, die ist fuer die meisten unerschwinglich - . Auch gibt es verschiedene chemische Produkte, um die Waesche feinriechend zu machen, - alles ziemlich giftiges Zeug. Doch eine Gesellschaft, wie hier, die vorallem auf Schein aus ist, lebt von und mit solchen Dingen. Egal wie sehr die Natur dabei belastet wird, - das sich dieses Verhalten raecht, ist mittlerweile zur globalen Tatsache geworden, doch alles hat seine Zeit und ist eng gekoppelt mit der mentalen Entwicklung der Voelker.
Eigentlich sind wir bei meinem Reisebericht hier im Zoo von Jogja.
Es gibt 5 Sumatra Tiger hier zu bestaunen, davon ist einer weiss, - dies ist ein seltener Albinotiger. Sehr schoene Tiere in einem tierquaelerisch, schrecklichen Gehege.
Der Tierpfleger der Schlangen, laesst uns zur Riesenphyton hinein. Ein stattliches Tier, von ca. 100 kg Gewicht. Es braucht 3 Maenner, um sie hochzuheben, sagt uns der Waerter.
Sie liegt im Wasserteich. Bald wird sie sich haeuten, meint der Waerter. Das mache sie 2 x im Monat. Dann gleitet sie ins Wasser um sich regelrecht einzuweichen und streift anschliessend die Haut ab.
Die meisten Indonesier haben grundsaetzlich eine Abneigung gegen Schlangen.
Der Tierpfleger erklaert weiter: sie habe 40 Eier gelegt. Die Jungen seien vor 3 Tagen geschluepft. Melati faehrt der Schlange ueber die Haut. Wir sind beeindruckt.
Jetzt wollen wir die Jungen sehen, - sie befinden sich in einem anderen Gehege. Ein Knaeuel lauter kleiner Schlangen. Was sie denn mit all den Jungtieren machen? -, wollte ich wissen. Der Waerter schweigt sich aus, -er meint, nach einer Weile, er sei nur ein Angestellter, das wuerde sein Chef regeln. Das ist wieder so eine indonesische Redensform, - durch die Blume gesprochen.
Ich kann annehmen, dass der Zoochef auch ganz schoen in seine eigene Hosentasche wirtschaftet und Geschaefte macht mit den Tieren.
Ich habe schon viele solcher Geschichten gehoert, auch von anderen Zoos hier in Indonesien. Zoochef zu sein, schient hier durchaus ein lukrativer Job zu sein. Es gibt viele seltene Tiere in Indonesien, die internationale Nachfrage ist gross, der Schwarzmarkt floriert…
Die besonderen Tiere werden zu Hoechstpreisen gehandelt und verschwinden dann im Privatbesitz. Z.B. kostet ein erfolgreich ausser Landes geschmuggeltes Orangutan Babyz. Z. B. in Taiwan um die USD 5000.-.
Natuerlich ist es verboten, …. Doch wer kontrolliert hier schon? Meist stecken die Vermittler mit der Polizei und den Beamten unter einer Decke und verbessern so ihr Gehalt.
Tierschutz und WWF sind hier weit entfernt und haben keine Chance. Dies alles immer wieder so hautnah mitzubekommen, ist recht frustrierend fuer mich. Wir im Westen bezahlen die Organisationen. Es hoert sich immer wieder gut an. Doch ich erlebe hier vor Ort immer wieder, wie begrenzt und hintergangen wird, z.B. wird oftmals unvollstaendig informiert, bestimmte heikle Themen einfach weggelassen, alles so hingebogen, dass es ein einigermassen akzeptables Bild gibt.
Der kleine Hoffnungsschimmer der bleibt, - vermutlich waere es ohne diese Organisationen, wie WWF, ect., noch schlimmer um diese bedrohten Tiere bestellt.
Es gibt Gesetze, das schon, doch wer schaut, wer bemueht sich, das diese auch wirklich eingehalten werden, wenn durch das Umgehen jener Gesetze viel mehr Geld gemacht werden kann, als wenn man sich an diese Vorschriften halten wuerde. Indonesien ist eindeutig noch nicht soweit, dass die Einheimischen Menschen den unglaublichen Naturreichtum erkennen koennen, den sie hier teilweise noch haben. Es fehlt ganz offensichtlich die innere Bereitschaft sich auch persoenlich fuer den Schutz dieser einzigartigen und wertvollen Resourcen des eigenen Landes engagiert einzusetzen, - fuer die meisten ist dieser Schutz heute noch unwesentlich, nicht primaer und geht unter in ihrem eigenen Ueberlebensdrama.
Nun, - daher versucht man das meiste Geld aus den letzten noch intakten Naturresourcen herauszupressen. Ich kenne viele Beispiele, ob das bei uns am vorgelagerten Korallenriff ist, bei AIONA, oder in den Regenwaeldern von Kalimantan, Sumatra, Irian Jaya, - es ist ueberall dasselbe. Menschlicher Eigennutz und Profitgier, sowie die damit einhergehende Zerstoerung und Vernichtung von einzigartigen Naturbereichen, die im Grunde genommen nicht nur einem einzigen Land gehoeren, sondern Teile der globalen Natur dieses Planeten sind, gehen Hand in Hand, - schade !
Donnerstagabend. Es ist kurz nach neunzehn Uhr. Im Haus ist es endlich ruhig geworden. Alle Frauen sind ausgeflogen, im abendlichen Tumult verschwunden mit ihren Motorraedern, zum Essen, Einkaufen oder sonst etwas.
Freitag
Von verschiedenen Muezzinen werden ueber Lautsprecher Gebete, Rezitationen aus dem Koran, in einem Singsang vorgetragen. In der Luft vermengen sich alle Richtungen, - bei mir kommt ein undefinierbares Geplaerr an. So hoert es sich fuer mich an, ueberhaupt nicht aufbauend, nur aufdringlich und alles durchdringend. Ich finde es aeusserst unangenehm und habe Muehe damit mehrmals taeglich konfrontiert zu werden. Ich kann mich schlecht daran gewoehnen. Auch frage ich mich ob das wirklich Gott gefaellt, oder ob es nur eine Art der willkuerlichen Machtausuebung von diversen Menschen ist? Ob das wirklich den Menschen gefaellt, ob die Menschen das bei diesem bestaendigen Laermpegel ueberhaupt noch wahrnehmen und differenzieren koennen?
Es ist schon extrem wie laut es nicht nur hier ist, auch andere asiatische Grossstaedte sind ja nur noch laut, voller verschmutzter Luft und verstopft durch das Zuviel der verschiedenen Verkehrsmittel. Wie komisch kommen mir hier die Radfahrer und Radfahrerinnen vor, auch die Rikscha-Fahrraeder sehen aus, als ob sie sich von einer anderen Zeit her, hierher verirrt haben. Sie bahnen sich langsam ihren Weg durch die anderen, an ihnen vorbei flitzenden, Verkehrsmitteln.
Auch die Menschen sind so laut, Radio und Fernseher plaerrt morgens bis abends, auch aus den Komputern quillt es laermend hervor und laut wird ueberall geredet.
Ist es einmal einen Augenblick nur ruhig, geniesse ich das sehr. Oftmals ist das nur Nachts, kurz vor dem Morgengrauen, dann wache ich auf, meist vor den Voegeln. Das ist so schoen, einfach in die Stille hineinzuhorchen. Innerlich werde ich dann auch sehr still. Es ist herrlich, dann kommen die ersten Vogelstimmen dazu. Ihr Gezwitscher troestet mich immer etwas. Es zeigt mir, dass die Gefiederten immer noch hier sind, zwischen all dem Abfall und der Luftverschmutzung. Ja und das naechste ist dann das Hahnengekraehe, das ist oftmals sehr stoerend, weil es einfach zu laut ist, es in der Tat zu viele sind. Die koennen sich auch so schnell in ein grosses Geschrei hineinsteigern. Das mag ich ueberhaupt nicht. Dann hellt es schon auf, der neue Tag hat sich angemeldet. Der Verkehrslaerm beginnt, die ersten Menschen sind aufgestanden und dann wird es sehr schnell laut.
Ich stehe auf, mache meine Yogauebungen und meine Meditation. Es braucht in einer solchen Umgebung schon einiges an Disziplin dazu, es ist so gut wie kein Platz vorhanden. Ein kleines Ecklein nur, doch es geht. Dannach bin ich erfrischt den neuen Tag anzugehen.
Heute wollen wir nach Prembanan fahren und uns dieses Meisterwerk anschauen.
Prembanan - eine hinduistische, historische Tempelanlage
Es ist eine sehr indische Tempelanlage. Sehr schoen anzuschauen, - schon von weitem her. Die Anlage liegt etwas am Stadtrand von Jogja, in einer Parkanlage, was sehr schoen ist nach all den Strassen und engen Haeuserbauten der Stadt. Hier ist viel Platz zum Spazierengehen. Doch es ist heiss, die Sonne brennt. Wie immer an vielen Souvenirlaeden vorbei, die viel Ramsch feilbieten, dann die vielen fliegenden Haendler. Eintritt bezahlen, - wir bezahlen 12. 000 Rupia, den Touristen knoepfen sie 10 USD ab, was ich einfach zu viel finde.


2006 hat auch hier das heftige Erdbeben gewuetet und viel zerstoert, das bis jetzt noch nicht wieder aufgebaut worden ist. Renovierungen sind im Gange.
Die Tempelanlage besteht aus 3 Hauptgebaeuden, sehen aus wie grosse Tropfsteine aus den Tropfsteinhoehlen. Der Groesste ist komplett eingezaeunt und verkleidet, weil renoviert wird. Auch die Anderen sind soweit geschuetzt, wegen Einsturzgefahr. Eigentich kann man nur in einen Tempel gehen. Die 3 Gebaeude sind fuer die Trimurtis, fuer die Dreieinigkeiten, fuer Shiva, Vishnu und Brahma, der Hauptempel ist Shivas Tempel. Jeder der Goetter hat auch einen Transportgefaehrten. Shiva hat Nandi, den Stier, Vischnu hat den Schwan und Brahma hat Garuda, den Goettervogel. Leider sind alle Tempel bestohlen worden, alles, was nicht schwer genug war, hatte Beine bekommen. Schade, so auch die Hauptstatuen der Goetter. Im anliegenden Park ist ein schoenes, informatives Museum, mit verwitterten Altertuemern, abgeschlagenen Steinkoepfen und Gliedmassen, auch diese leider teilweise gestohlen. Man hat sich Muehe gegeben……
Die Tempelanlage ist schon imposant, doch ich spuere wenig Kraft die hier noch den Bezirk erfuellt, - entweiht und tot, vielleicht schlaeft sie auch nur, diese sakrale Kraft. Mir scheint, dass viele Touristen nicht erfassen koennen, was eigentlich dieser Tempel verkoerpert.
Melati und ich geniessen die Anlage. Touristen sind schon eine lustige Gattung von Menschen. Wir koennen ueber vieles schmunzeln, was uns da alles so begegnet.
Loro Jonggrang - Devi Durga
Die Goettin Durga ist die Gemahlin von Shiva. Shiva gehoert zu den Trimurtis, den Dreieinigkeiten mit Vishnu und Brahma, im hinduistischen Blickfeld. Shiva ist der Gott der Transformation und daher auch auch der Feuergott. Nandi ein Stier, ist sein Begleiter.
Seine Gemahlin besitzt verschiedene Namen, je nachdem in welcher Energieform sie auftritt. Sie hat auch den Namen Shakti, dieser wird oftmals im Tantra Yoga gebraucht oder Pravati, als sehr schoene Frau.
Die Kraft von Shiva wird oftmals mit einem Lingam symbolisiert. Die Kraft von Pravati als eine Yoni. Beides zusammen symbolisiert die Harmonie von zwei gegensaetzlichen Kraeften, die sich gemeinsam in eine Ganzes fuegen, bekannt auch als Yin und Yang, schwarz und weiss, Tag und Nacht, Mann und Frau, ect.
Mit Durga verkoerpert sie die weiblichen Urkraefte. Da wir uns in einer sehr materiell, maennlich gepraegten Zeitqualitaet befinden, werden oftmals diese weiblichen Urkraefte verteufelt, - so tritt Durga auch als Hexe in verschiedenen Geschichten in Erscheinung. Devi Durga weiss, wie mit den Schatten und daemonischen Kraeften umzugehen ist.
Auch in den folgenden Legenden wird das deutlich:
In Java wird Devi Durga auch, - Loro Jonggrang genannt.
EINE LEGENDE - Kurzfassung
Es waren einmal
zwei maechtige Koenigreiche, mit zwei Koenigen und nur einer schoenen Koenigin.
Einer der Koenige will die schoene Koenigin haben, deshalb beginnt er einen Krieg. Toetet den Koenig und gewinnt. Er meint, dass er jetzt die schoene Koenigin haben kann. Diese will aber nichts von ihm wissen Der Koenig ist daher sehr wuetend.
Sie nimmt Zuflucht zu einer List. Er solle fuer sie innerhalb einer Nacht 1000 Tempel bauen. Er ist nicht gerade dumm und ruft die Daemonen zu Hilfe, die auch gewillt sind ihm zu helfen. Diese fangen an zu bauen. Sie haben Zeit bis zum Sonnenaufgang.
Die Koenigin ist auch gescheit und laesst ein grosses Feuer machen, dass es so aussieht als ob die Sonne schon aufgehen wuerde. Die Haehne fangen an zu kraehen. Die Daemonen meinen die Daemmerung sei schon angebrochen. Das ungewoehnliche Licht macht ihnen Angst, sie entschwinden vorzeitig, sodass nur 999 Tempel fertig gebaut werden. Es fehlt also noch ein Tempel.
Als der Koenig von der List der Koenigin erfaehrt, kennt sein Zorn keine Gnade. Er verzaubert oder laesst Loro Jonggrang verzaubern, zu Stein. So wird sie der tausendste Tempel und ist bist heute noch zu bewundern im Prambanan Tempelkomplex in Jogja.
Da sind ja noch unzaehlige antike Steinhaufen aufeinander geschichtet, die darauf warten wieder zu historischen Tempeln zusammengebaut zu werden. ….ob das wohl 1000 sind?
Soweit die Legende um Loro Jonggrang
Gedanken dazu
Als ich diese Legende hoerte dachte ich mir folgendes:
wie kann ein Mann nur erwarten, dass er die Frau eines anderen haben kann, in dem er den anderen einfach umbringt…. Und was heisst schon "haben kann". Eine Frau kann man nicht einfach so besitzen. Leider ist aber dieser Anspruch noch in vielen Kulturkreisen ueblich. Auch hier auf Bali. Doch dies, meine ich, ist einfach nicht fair der Frau gegenueber.
In der Legende ist die Motivation von Anfang an alles andere als ehrwuerdig. Klar geht dann der Betrug, die List weiter, das kann einfach nicht zu einem guten Ende fuehren.
Die Koenigin stellt eine Forderung, was ja begreiflich ist. Der Koenig weiss, dass er es alleine nicht schaffen kann, gute Kraefte ihm bestimmt nicht helfen werden und daher nimmt er die daemonischen Kraefte fuer sich in Anspruch. Sie betruegen beide. Diese Geschichte zeigt wunderbar, wie eine nicht im Dharma, in der Rechtschaffenheit, gegruendete Motivation, Handlungen hervorruft, die wiederum nicht gut sind und daher am Schluss beide Parteien nicht bekommen was sie eigentlich wollten. Sich sogar selber dabei vernichteten. Diese Moral der Geschichte ist bis heute noch so. Motivationen sollten immer gut und rein sein, dann fuehren sie zum Guten, - oder, was Du saest, erntest Du!
Die religioese Geschichte um Loro Jonggrang hoert sich um einiges anders an. Lasst also wie folgt hoeren:
Geschichte mit Loro Jonggrangl
Im Himmel hat es ein maechtiger Daemon geschafft einzudringen und den Himmel in seinen Besitz zu bringen.
Die Dreieinigkeiten sind darueber sehr unzufrieden. Doch sie schaffen es nicht den Daemon aus dem Himmel zu verjagen. Sie beraten und meditieren, wie sie das Problem am Besten meistern koennen.
Sie rufen Devi Durga zur Hilfe. Diese entsteigt dem Feuer als Loro Jonggrang mit 8 Armen. Alle Goetter geben ihr in ihre Arme ihre Kraft mit ihren Symboldarstellungen. Einer gibt Bogen und Pfeil, ein anderer sein magisches Feuerrad, wieder ein anderer ein Chakrarad, das aussieht wie eine rotierende Messerplatte. Somit ist sie gewappnet fuer den Kampf.
Sie steigt in den Himmel. Dort begegnet sie einem Tier, einem Stier. Da Loro Jonggrang selber eine Goettin ist, kann sie im Stier den Daemon erkennen. Sie toetet den Stier.
Aus dem getoeteten Stier steigt ein haesslicher, aber kleiner Daemon auf, dem sie auch den Garaus macht. Somit geht sie aus dem Kampf als die grosse Siegerin hervor. In den Himmel koennen jetzt wieder die Goetter einziehen und fuer die rechte und guetige Ordnung sorgen.
Gedanken dazu
In dieser geschichtlichen Darstellung wundert mich, dass die maennlichen Goetter es nicht schaffen den Daemon zu verjagen. Den Daemon als riesig beschreiben, aber es dann tatsaechlich nur ein Kleiner ist. Auch wundert es mich sehr, dass die Goetter von einem einzigen Daemon aus dem Himmel verjagt werden koennen. Wie sonderbar, - wo ist denn ihre Macht geblieben....?
Aber ist es nicht gerade auch in der Realitaet so, dass wir Angst haben und uns die Angst, oder besser gesagt der Grund der Angst in unseren Vorstellungen so gross vorkommt das wir schon vorab aufgeben, doch stellen wir uns mutig der Angst, diese ploetzlich klein und nichtig wird?
Auch interessant finde ich, dass die Maennergoetter der Goettin ihre Kraft geben, damit sie in weiblicher Form ausgeruestet ist mit den maennlichen Attributen. Dies auszuhalten ist nur Devi Durga faehig von den Goettinnen. Sie weiss geschickt mit diesen Waffen umzugehen, dies koennten die anderen Goettinnen nicht. Die wuerden sich weigern oder zieren. Doch Devi Durga kann dies, klar dass sie es ist, die aus dem Feuer steigt, ist sie doch die Gemahlin vom Feuergott Shiva. Ich finde Loro Jonggrang eine sehr interessante Goettinnen Figur. Durga wird in Java Loro Jonggrang genannt, in Bali habe ich diesen
Ausdruck nicht gefunden.
Samstag
KRATON - DER KOENIGLICHE PALAST
Der Kraton bildet das Herzstueck der Stadt Jogja. Es ist der Palast des amtierenden Sultans. Noch heute ist er bewohnt von der Sultanfamilie mit den 1600 Angestellten. Es regiert heute der 10te. Sultan, der letzte verstarb 1988.
Wir wollen den Kraton besuchen. Es ist schon etwas spaet. Es ist knapp vor 12 Uhr. Hier sind die Museen schon am fruehen Nachmittag geschlossen. Das finde ich komisch. Oeffnungszeiten sind meist von 8.30 bis 14.oo Uhr oder so. Man sollte sich immer gut vorher informieren.

Wir finden nicht auf Anhieb den Motorrad Parkplatz und fahren daher mehrere Extra Runden um den grossen Hauptplatz herum, der eine grosse Wiese mit 2 Baeumen in der Mitte hat. Dieser Platz wird fuer oeffentliche Feste benutzt und fur koenigliche Paraden. Die 2 Baeume in der Mitte haben eine Besonderheit. Niemand weiss genau von woher und wann dieser Brauch gekommen ist. Doch schliesst man die Augen und findet den Weg zwischen den Baeumen hindurch, werden alle Wuensche in Erfuellung gehen, wenn der Weg verpasst wird, wird eben dies nicht in Erfuellung gehen. Es gibt dafuer eine spezielle Zeremonie um dies auszuprobieren. Bin mir nicht so sicher, so wie ich die Indonesier kenne, dass dabei nicht auch gemogelt wird…..
Wir finden einen Parkplatz, wie immer kommt direkt der Parkwaechter, er will sein Geld und klippst sein Zettelchen ans Motorrad, was eine Eigenart des jogjanischen Parkverkehrs ist. Es mutet sich immer etwas lustig an.
Auch hier im Kraton werden wieder Eintrittsgebuehren erhoben. Wir gehen zum lokalen Schalter. Wir werden hoeflich angewiesen, doch zu den Touristenschaltern zu gehen, da sie mich gesehen haben. Melati kennt das Spiel schon und weisst auf meine Aufenthaltsbewilligung hin. Wir bezahlen Rp. 12 500.- pro Person, sowie noch zusaetzlich Rp. 1000.- fur die Erlaubnis Fotobilder zu machen. Und noch Rp. 500.- fuer irgendwelche sozialen Zwecke. Das sind immer lustige Zusaetze. Mit allem wird hier immer Geld gemacht.

Doch ueberraschenderweise bekommen wir eine aeltere, sehr duenne Dame als Reiseleiterin mit auf den Weg. Sie ist sehr hoeflich und lobt immer wieder in sanfter Art ihren Sultan den 9ten. Das ist der verstorbene Sultan. Er hat in Holland Recht studiert und eines seiner liebsten Hobbies war das Fotografieren, seine Studienbuecher davon sind ausgestellt, wie auch seine Kameras, womit er fotografiert hat. Auch seine ganzen Kochloeffel, Schwingbesen und Kuechenutensilien, womit er gekocht hatte, - er war ein vorzueglicher Koch, wird behauptet.
Fuer die Pfandfinderbewegung von Indonesien war er der Vorreiter und daher lange Zeit deren Vorsitzender. Bekannt war auch seine Vielseitigkeit und sein Einsatz fuer die Humanitaet. Er hat sich viel fuer Gerechtigkeit und bessere Lebensumstaende eingesetzt und war auch immer wieder Berater von hohen indonesischen Regierungsmitgliedern. Er hatte 5 eheliche Frauen, mit der ersten hatte er keine Kinder, mit der zweiten hatte er welche - woraus auch der heutige Sutlan hervorging. Was die restlichen 3 Frauen fuer eine Rolle spielten, darueber schwieg sich unsere Fuehrerin aus….?!
Wir waren schon etwas zu spaet, wie ich schon bemerkte. In den Museumszimmern wurden schon die Schutzkappen ueber die Moebel gelegt. So wurden wir vor bedeckte Stuhle gefuehrt, die alle gleich aussahen, mit Schutzkappen, doch darauf hat Sultan soundso gesessen, usw.. Ich musste eifnach nur noch schmunzeln, - indonesische Ironie.
Sie betonte auch, dass es in diesem Sultanat immer wichtig war, das die Religionen - Buddhismus, Hinduismus und der heutige Islam - im Frieden miteinander lebten. Der heutige Sultan sei Moslem und nicht fanatisch, meinte die Fuehrerin. Sie betonte auch, dass man als Moslem kein Alkohol trinken darf. Doch mich wunderte es, dass in den Vitrinen des Museums auch Likoerflaeschchen standen und Weinglaeser. Nun, ja. Ich will ja nichts unterstellen. Auch hat der heutige Sultan nur noch eine Frau, dies betonte sie mehrmals. Der Sultan hat mit ihr 5 Toechter, doch leider keinen Sohn, was bedauernswert sei und damit nicht den kuenftigen Thronfolger stellen kann. Der naechste Sultan somit von seiten seines Burders kommen muss. Bei all den Beschreibungen bin ich echt froh, dass ich kein Sultan zu sein habe.
Der letzte Sultan bekam viele Auszeichnungen aus der ganzen Welt. Seine vielen Geschenke aus Uebersee, China, usw., geben dem Museum den besonderen Glanz. Heute noch werden viele Kuenste aktiv im Palastbezirk gepflegt, das kann ich sofort wahrnehmen, es existiert diesbezueglich eine besondere Lebendigkeit.
Die Kristallleuchter sind aus Italien, verschiedene Keramikvasen zieren die Wege, Mauerstueckwerke sind zum Teil aus verschiedenen Laendern. Alles sehr indonesisch gepflegt und schoen anzuschauen, doch nichts weltbewegendes.
Dannach fuehrt mich Melati durch den Vogel- und Tiermarkt. Ich moechte nicht detailliert sagen wie es da gerochen, bzw. gestunken hat und wie elend die Tiere gehalten werden. Viele Tiere gibt es da zu kaufen, seltene Voegel, viele Zierfische, Tierfutter, ect..
Melati fuehrt mich weiter, auf Schleichwegen, hoch auf die Ruinen der Stadtmauer hinauf. Es scheint ein Ausflugsziel vieler Jugendlicher zu sein, da koennen sie unbeobachtet abhaengen.
In den Studentenheimen wird von der Ibu Kos fuer Zucht und Ordnung gesorgt. Es gibt die Studentinnen- und die Studentenunterkuenfte. Streng geteilt. Will jemand des anderen Geschlechts zu Besuch kommen, gibt es ausserhalb des Innenhofes ein extra Empfangs- und Besuchszimmer.
Kein Wunder also, wenn sich die Jugendlichen, die erstmals Verliebten, sich Wege suchen, sich ausserhalb zu treffen. Ein Ort scheint dieser Ruinenkomplex zu sein. Da sitzten sie rum , schaekern und flirten.
In Indonesien werden immer noch viele junge Maedchen beschnitten. Terre des femmes nimmt an, dass es 96 % sind. Das sind unglaublich viele.
Als ich Melati auf das anspreche, meinte sie, das dass wohl stimmen muss. Sie erzaehlte mir von dem Nachbarmaedchen, - auch sie wurde als kleines Baby beschnitten. Ihre Mutter erzaehlte es ihr. Sie selber wusste davon nichts mehr.
Nach meinen Nachforschungen gibt es erstaunlich wenig Information dazu. Die Genitalverstuemmelung wird wohl nicht so extrem ausgefuehrt wie in Somalia und anderen afrikanischen Staaten. Das Buch "die Wuestenrose", die Biographie einer somalischen Frau hierzu, ist einfach "ein muss" zu lesen.
Hier wird auch keine grosse Zeremonie gemacht, wie bei den moslemischen Jungs, die ja auch alle beschnitten werden.Die Beschneidung erfolgt bei den Maedchen meist bis zum 14ten. Lebensjahr, jedoch meist im Babyalter.
Vom indonesischen Gesetze her ist es eigentlich verboten. Doch der islamische Adat verlangt es immer noch, auch hier, und wird somit ausgefuehrt. Die Frauen kennen nichts anderes, sind meist recht ungebildet, die Grossmuetter, die Muetter, alle haben es erfahren und akzeptieren muessen, so geht es halt immer weiter und wird ohne Kritik an die Toechter weitergereicht und durchgefuehrt. Ich finde dies sehr schlimm.
In Bali selbst, da es ja hinduistisch ist, wird dies nicht gemacht. Hier ist es jedoch ueblich, dass sich die Frauen ihre Schamhaare gaenzlich abrasieren. Ueber solche Themen zu sprechen ist aeusserst schwierig und nur hinter vorgehaltener Hand moeglich. Sexualitaet ist hier immer noch ein absolutes Tabuthema. Unter den Frauen wird dieses Thema schon einmal angeschnitten, doch niemals in Gegenwart des anderen Geschlechts. Die jungen Frauen, mit denen ich darueber gesprochen habe, waren sehr aufgeschlossen und beflissen, darueber informiert zu werden. Dies freut mich immer wieder.
Dieses Verhalten fuehrt zu einer Verklemmtheit, einer unnatuerlichen Scham, - vielleicht gibt es darum eine so derbe anmachende Art der indonesischen Maenner und manchmal auch der Frauen. Diese ist immer sehr direkt, manchmal plump direkt, so als ob der freie, natuerliche Eros, in seinem wahren Selbstausdruck, stets geknebelt wurde und wird. In Bali muss meist geheiratet werden, weil die Frau schwanger geworden ist. Bei uns in Bunutan ist es keine Seltenheit wenn 14 - oder 16 jaehrige Maedels heiraten muessen.
Ich selbst habe einiges Eigentuemliches diesbezueglich erlebt. Z.B von Beamten in ihren Bueros, wo ich eigentlich nur meine Formularpapiere erledigen wollte, wurde ich mehrmals unmissverstanendlich angemacht. Eine Form von Korruption….?
Eine Frau, die sich ohne Ehemann, Bruder oder maennliche Begleitung frei in dieser Gesellschaft bewegt, ist hier immer noch eine Seltenheit und kann daher zu Missverstaendnissen fuehren.
Zurueck zu Jogja.
Von der Stadtmauerruine her, koennen wir ueber ganz Jogja schauen, das ist schoen, es geht ein angenehmer Luftzug. Wir machen einige Fotos.
Eine Touristin, die von einigen indonesischen Jungmaennern angemacht wurde, sagt ihnen ganz deutlich, das sie wie Monkeys/Affen waeren. Die Jungens grinsen.
Von hier aus sieht man auch die 5 Tuerme, unter denen der ehemalige Geheimgang verlaeuft. Durch diesen konnte man aus dem Palast fluechten, wenn Gefahr drohte, dannach konnte man dann den Fluchtweg mit Wasser fluten lassen, damit die Feinde nicht folgen konnten. Heute spazieren wir durch diese Gaenge an indonesischen Liebespaerchen vorbei.

Wir wollen zum Lust - Wasserschloesschen des frueheren Sultans gehen. Durch Erdbeben und Vulkanausbrueche, wurde vieles im Palastbezirk in Ruinen verwandelt, auch das Wasserschloesschen. Dies wurde jedoch wieder aufgebaut und renoviert. Hier durften die Frauen baden und fuer den Sultan gab es eine Galerie, von der er aus zuschaute und die Frauen beobachten konnte. Natuerlich konnte er sie anschliessend von dort aus in sein Gemach rufen lassen.
Ich hatte mir eine schoenere und verspieltere Anlage vorgestellt, die die Sinne anspricht. Doch nichts da, rundum Betonmauern, darin 2 Wasserbecken mit kleinen Wasserspringbrunnen, nichts romantisches. Obwohl die moslemischen Renovateure, nach anderen Vorlagen renovieren mussten, als das was frueher vorhanden war? Ich bin enttaeuscht. Da befluegeln die koeniglichen Wasser-Lustgaerten, der Koenige in Bali, schon eher die Phantasien und Sinne, als das hier.
Wir gehen zurueck zu unserem Motorrad, das Parkzettelchen wird entfernt vom Parkmeister. Wir wollen noch zu den Buecherstueben fahren und etwas schmoeckern.
Dannach ist die Essenszeit mal wieder faellig.
Das Yoga Soma Restaurant ist huebsch eingerichtet mit einem Hauch der Kolonialzeit, einige antike Stuecke geben diesem Platz einen gewissen Charme. Wir werden hoeflich bedient. Die Portionen sind recht schmackhaft, - klein. Es gibt ein Tagesmenue, an jedem Tag etwas anderes und das Hauptmenu. Melati geht hier wohl viel essen, sie wird zuvorkommend bedient. Das Restaurant ist vegetarisch gehalten, nach der Meisterin Cha Min, einer Frau, die hier in Indonesien bei den Chinesen sehr viel Ansehen geniesst und als Meisterin verehrt wird. Neben den Hare Krishna Restaurants, sind diese fuer mich die besten vegetarischen Restaurants, die ich in Asien, in den Grossstaedten, finden konnte. Vegetarische Restaurants haben somit immer eine tiefere Motivation im Hintergrund. Diese mag ich, weil sie nicht nur auf Profit aus sind. Wir haben da gut und preiswert gegessen, fuer indonesisch, lokale Verhaeltnisse. Natuerlich sehne ich mich wieder nach meiner eigenen Kueche zurueck. Wenn ich auf Reisen bin, merke ich erst, wie verwoehnt ich doch von unserer Kueche her bin, mit all den feinen Gewuerzen und der Vielseitigkeit.
Sonntag.
Borobudur
Wir fahren mit dem Motorrad durch den Regen, alles ist nass. Wir wollen zum Borobudur, einer der groessten buddistischen Tempelanlagen in Asien. Gebaut 750 bis 850 vor Christus. Der Tempel geriet in Vergessenheit bis 1815. Die letzten Restaurationen haben bis 1983 gedauert. Heute ist Borobudur nur noch ein Monument zur Besichtigung.
Einer grossen Stupa gleich, mit vielen kleinen, - hochgebaut gleich einer Pyramide, im Mittelpunkt, auf der Spitze eine grosse Stupa, mit vielen kleineren rundherum und darin sitzt immer ein Budda.
Stupas, auch Dagobas genannt, sind einer Glocke gleich, halbrunde Gebilde, mit einem spitzen Fortsatz, oben auf der Mitte. Sie dienen in buddistischen Tempelanlagen als Symbole der Kraft und der Wiedergabe des Himmels.
Wenn man die steilen Stufen hochklettert, kommt man auf Terrassen, die man rundherum begehen kann. Die Waende sind geschmueckt mit sehr schoenen Reliefs, die das Leben Buddas wiederspiegeln. Diese haben mich sehr beeindruckt, in ihrer Ausfuehrung und Lieblichkeit. Sie sind noch sehr gut erhalten. Bei der letzten Renovierung wurden sie mit Chemikalien gereinigt und konserviert.
Borobudur ist heute ein Welterbe der UNESCO.5 Jahre haben die Renovierungen immerhin gedauert und man sieht, dass mit viel Fachkoennen gearbeitet wurde. Dies ist nicht immer so.
Ueberall zieren Buddastatuen den gesamten Tempelkomplex. Das ist sehr schoen anzuschauen. Doch vielen Statuen fehlt der Kopf, Haende und/oder die Arme. Auch von den Reliefs wurde vieles abgeschlagen. Echt schade. Welche Antiquitaetenlaeden schmuecken sich damit wohl aus? In welchem Privatbesitz sind die Orginale? Niemand weiss es. Schade. Selbst einer der Sultane hatte 2 LKW-Ladungen voll von orginal Statuen einfach nach Siam verschenkt, - damals. Auch der Hindu Tempel Prambanan wurde arg bestohlen, der ganze Schmuck der Statuen verschwand, was nicht niet- und nagelfest war, ist weg, - verschollen.
Die Schoenheit des Borobudur Tempelkomplexes liegt fuer mich in der schlichten, majaestaetischen Bauweise, in der Lieblichkeit der Reliefs und den verschiedenen Buddastatuen.
Es gibt 5 verschiedene Haltungen von Budda, die sich immer wieder wiederholen, das ist besonders in dieser Anlage sichtbar.
Die untersten Reliefs wurden zugemauert. Schade. Sie zeigen weltliche Belange. Heute sagt man, es seien unzuechtige Handlungen darauf zu sehen. Pornografie vor Christus? Schon eigenartig wie Sichtweisen ausgelegt werden. Ich haette die Reliefs gerne mal gesehen. Nun ja, nichts zu machen, - jetzt stehen wir nur vor einer Steinblockmauer.
Die Eintrittspreise sind relativ hoch. Melati und ich bemuehen uns um ein einheimisches Eintrittsbillet, da ich ja ein sog. Kitas, ein besonderes Aufenthaltsvisa habe. Ueberall werden die Eintrittspreise geteilt, fuer die Touristen und die Lokalen. Fuer das was geliefert, den Touristen gezeigt wird, muss ich schon sagen, finde ich die Touristeneintrittspreise ueberhoeht. Da bin ich schon anderes gewohnt von historischen Anschauungsplatzen, die ich besucht habe, - z.B. in Europa. Hier sind viele Hauptstatuen verschollen, gestohlen, keine Duplikate angefertigt worden, die Anlage zu wenig gepflegt, ect..
Ein erwaehnenswertes Beispiel ist der Shivatempel. Man kommt in die Shivahalle vom Tempel und steht vor einem leeren Schrein, hat aber dafuer USD 10 Eintrittsgeld bezahlt.
Die Informationen selbst sind sehr spaerlich, fast nichts ist angeschrieben, um so mehr hat es Guides, - diese bieten gerne ihre Dienste an, natuerlich zu ueberhoehten Preisen.
Ich finde es sehr schade, wenn solche historischen Staette finanziell ausgeschlachtet werden und nicht als Bildungs-, und Erhohlungsstaetten gefoerdert werden. Da muss, meiner Meinung nach, Indonesien noch viel lernen.
Zurueck zu Borobudur. Nach etwas mehr als einer Stunde Fahrtzeit, haben wir Borobudur erreicht. Ziemlich durchnaesst. Ich hoffe, dass bei dem Regen nicht so viele Touristen unterwegs sind. Gefehlt. Es ist Sonntag. Es hat viele Einheimische, die einen Ausflug machen und auf den Stupas und Buddas herumklettern. Was wuerden die wohl sagen, wenn man in ihren Moscheen solche Kletterkunststuecke veranstalten wuerde? Es hat Aufsichtspersonal, die ueber Lautsprecher zur Raison aufrufen.
Wir haben den kleinen Motorbikeparkplatz gefunden. Parken zu hohen Parkgebuehren, normalerweise bezahlen wir Rp. 500,-, hier kostet es Rp. 2000,-.
Eine richtungsweisende Fussgaengerzone gibt es hier nicht, daher wissen wir nicht in welche Richtung zu gehen ist. Keine Wegweiser oder aehnliches. Wir schleussen uns durch all die vielen kleinen Souvenirlaeden hindurch, das dauert unendlich lang, bis wir zu einer parkaehnlichen Anlage kommen, wo wir in der Ferne die ersten Buddas erkennen koennen.
Vom Haupteingang aus gibt es ein kleinen Trampelpfad, den gehen wir hoch, fort vom Touristenstrom und klettern ueber eine kleine Mauer. Jetzt sind wir auf der ersten Terrasse der Tempel. Das Monument beeindruckt uns, obwohl wir beide meinten, es sei groesser und wuchtiger von den Fotos her, die ich vorher gesehen habe. Doch es ist in der Tat um einiges kleiner als in meinen Vorstellungen.
Wir steigen langsam hoch. Immer wieder bemueht dem Besucherstrom auszuweichen. Wir spazieren entlang der Wandreliefs. Melati hat viele Fragen, wir teilen uns die Eindruecke. Es ist schoen dies auszutauschen, - zu realisieren, was sie anders sieht, wie ich. Es gibt viel zu sehen.
Wir steigen weiter hinauf. Eine Terrasse nach der anderen und gehen rundherum. Ich fuehle mich dabei innerlich ruhiger und ruhiger werden, dies ist sehr angenehm wahrzunehmen. Mein Blick ruht auf den Reliefs. Mein Geist ist beschaeftigt herauszufinden, was sie darstellen. Immer wieder suche ich Budda in den Bildern. Das macht mir Freude. Es gibt Abschnitte, wo Melati und ich alleine sind, ungestoert, das geniesse ich sehr.
Oben wimmelt es wieder von Menschen und Souvenirverkaeufern. Wir suchen uns unsere eigenen schoenen Plaetze, etwas schwierig. Dann kommt ein ploetzlicher Platzregen. Melati und ich bleiben stehen, halten unseren Regenschirm fest und dann stehen wir urploetzlich alleine auf der Plattform, umgeben nur noch von Stupas. Das ist sehr speziell. Es ist fuer mich wie eine Segnung Gottes. Wir stehen ganz still im Regen, alleine auf dem maechtigen Borobudur. Solche Augenblicke sind wie ein Hauch Gottes, nur kurze Zeit, der Regen wird weniger, die Menschen tauchen erneut auf und beginnen wiederum auf den Stupas herumzuklettern. Wir steigen in uns gekehrt herunter. Eine wundersame Ruhe hat sich begonnen in mir auszubreiten.
Wir fahren im Regen nach Hause.
Abends sitze ich auf der Miniterrasse meiner Tochter und lasse den heutigen Tag, vor meinem geistigen Auge, nochmals Revue passieren.
Montagabends - Rueckflug
Heute, am Montag, ist moslemischer Feiertag. Die ganze Nacht hat es aus den Lautsprechern der Moscheen geschallt. Anfangs fand ich es noch amuesant, - Kinder, Frauen, jeder durfte wohl mal ans Mikrofon, doch es dauerte die ganze Nacht an. Die Gebete und Gesaenge, von allen Seiten kommend, vermischen sich in der Luft und prallen zusammen, um ein undefinierbares Geplaerr zu kreieren. Ein stressender, stoerender Laermpegel, die ganze Nacht. Fuehle mich ziemlich geraedert und gestoert durch diesen aufdringlichen Laermpegel, - kein Regen, keine Voegel sind dadurch zu hoeren. Ich weiss, das ich mich wiederhole, doch ich mag es ueberhaupt nicht, wenn Religionsausfuehrung so dominant und aufdringlich wird und ich mich einfach gestoert fuehle in meinem Sein. Jetzt, morgens um 8 Uhr, sind die Stimmen verstummt. Ich kann wieder das Plaetschern des fallenden Regens hoeren. Ich geniesse dies, das natuerliche Geraeusch entspannt mich ein wenig.
Maliboro
Maliboro ist die Einkaufstrasse von Jogja. Ich habe selten so etwas gesehen. Nicht mal in Kuta in Bali. Vollgepfercht mit Laeden und Laedchen, dazwischen fliegende Haendler. Alles kann man hier haben. Natuerlich auch viele Sachen aus Batikstoffen, ist doch Jogja ein Zentrum der Batikherstellung. Es gibt wirklich schoene Stuecke und recht preisguenstig. Doch man muss sich wirklich auch die Zeit nehmen, um erfolgreich stoebern zu koennen.
Am Strassenrand, eine ganze Verkaufszeile lang, werden Rosenblaetter verkauft. Mir persoenlich ist nicht ganz klar fuer was die gebraucht werden. Bali hat durch die vielen Zeremonien, wo auch immer Blumen gebraucht werden, eine richtige Blumenkultur geschaffen. Es werden auf Bali die unterschiedlichsten Blumen angebaut und kultiviert. Das wird mir hier erst jetzt auf Java richtig bewusst, hier fehlt dies. Nur eben die Rosenblaetter werden angeboten, fuer Baeder oder zur Aromatisierung von Raeumen. Ich habe es noch nicht so recht herausgefunden. So muss hier also eine Rosenkultur entstanden sein.
Ja, die vielen Tempel und Tempelchen von Bali fehlen mir hier. Diese geben doch immer wieder ein schoenes und abwechslungsreiches Bild, verschoenern einfach die Landschaft, mit all den Blumen und der Farbenpracht der traditonellen Festkostueme, den feinduftenden Raeucherstaebchen.
Da finde ich das, was ich in Jogja sah, fade und eintoenig. Da ist Bali schon einzigartig. Klar ist das der heutigen, stark moslemisch orientierten Regierung, ein Dorn im Auge. So versuchen sie indirekt mit Gesetzen, Bali in die Knie zu zwingen. Es kam auf Bali deswegen schon zu heftigen Demonstrationen. Der Balinese wird weiterhin nackt im Fluss baden, die Frauen werden sich weiterhin in ihre durchsichtigen Festblusen kleiden, - da wird die javanisch, indonesische Regierung keine wirklich erfolgreiche Handhabe finden, um den konkreten, passiven Widerstand der Balinesen brechen zu koennen, zumal Bali das touristische Aushaengeschild Nr. 1 fuer Indonesien darstellt.
Melati und ich machen unsere letzten Einkaeufe. Ein Laden hat es uns besonders angetan, da stoebern wir mit Genuss herum. Wir haben nur noch kurze Zeit. Ich habe zu packen und zum Flughafen zu kommen. Melati will mir ein Taxi besorgen, da ich mittlerweile einiges an Gepaeck angesammelt habe. Doch ueberall, wo sie anruft, haben sie momentan keine Taxen zur Verfuegung. Es ist ja moslemischer Feiertag, da gibt es schon mal einen Engpass bei den wenigen noch arbeitenden Taxifahrern und die, die es noch hat, moegen nicht oder sind schon besetzt.
Schlussendlich packen wir uns doch mit allen meinen vollen Taschen auf Melatis Motorrad, das war ein Ding. Irgenwie schaffen wir es bis zum Flughafen zu kommen. Das Abschiednehmen faellt uns schwer. Wir hatten eine besondere Zeit miteinander verbringen koennen.
Am kommenden Tag hat Melati dann ihre ersten Trimesterpruefungen und ich werde in AIONA einiges zu erledigen haben.
Ich komme um 22.00 Uhr in Denpasar an. Gott sei Dank ist mein Motorrad noch da, wo ich es abgestellt hatte, mein Helm ist zwar nass, doch er ist noch da. Das Motorrad springt auch nach einigem Treten an und ich fahre los. Muss noch die Parkgebuehr am Airport bezahlen und brause dann nach Ubud los, nicht mehr nach Kuta. Das letzte Mal hatte es mir da gereicht. Nach Ubud sind es noch gut 45 Minuten zu fahren. Es ist dunkel. Ich bin muede. Jetzt kommt noch Regen dazu. Ich komme an meine Grenzen. Ich sehe fast nichts. Muss mich auf meine Intuition verlassen, das Motorrad ist schwerbeladen. Der Regen macht mir zu schaffen. Irgenwie schaffe ich es bis nach Ubud, es ist kurz vor Mitternacht. Ich werde schon von 2 netten Maedels erwartet, die helfen mir auch abzuladen und das Gepaeck ins Zimmer zu bringen. Nach dem wohltuenden Duschen falle ich todmuede ins Bett.
Nach dieser Reise ist mir wiedereinmal bewusst geworden, was ich brauche, um zufrieden zu sein. STILLE und NATUR.
Dies scheinen seltene Attribute geworden zu sein, in der heutigen Zeit. Ziemlich sicher hier in den uebervollen, indonesischen Grossstaedten, wo es so laut zugeht, durch die Menschen, Moscheen, dem Baulaerm und dem vielen Verkehr.
Ich sehne mich sehr nach der OASE AIONA zurueck, wo ich den Wind in den Blaettern rauschen hoere, den Wellenschlag des Meeres vernehme und mich einfach fallen lassen kann, in die Urelemente unseres Seins.
Nach dem wohlverdienten Schlaf, fahre ich am anderen Tag weiter nach AIONA. Ich bin froh, wohlbehalten wieder zu Hause angekommen zu sein.
ENDE
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